Liquiditätsplanung von A bis Z – endlich verständlich!

By Juni 12, 2018Liquiditätsplanung

Das Aufbauen und die laufende Aktualisierung einer guten Liquiditätsplanung für Unternehmen ist aufwendig und schwierig. Dabei ist eine solide Liquiditätsplanung wirklich für jedes Unternehmen überlebensnotwendig!

In unserem Infoportal erfahren Sie alles, was Sie über Liquiditätsplanung wissen müssen. Aber nicht theoretisch, sondern mit anschaulichen Beispielen, den häufigsten Fehlern und hilfreichen Profitipps für die Liquiditätsplanung.

Definition des Begriffs Liquiditätsplanung

Der Begriff Liquiditätsplanung enthält zwei Komponenten:

Als Liquidität bezeichnet man die verfügbaren Geldmittel eines Unternehmens, z. B. in Form eines Guthabens auf dem Geschäftsgirokonto. Dieses Geld steht zur Verfügung, um Ausgaben zu tätigen wie Lohnzahlungen, den Einkauf von Materialien oder Dienstleistungen, die Miete für ein Büro und so weiter. Wenn ein Unternehmen genug Geldmittel zur Verfügung hat, ist es zahlungsfähig oder in der Fachsprache: liquide.

Die Liquiditätsplanung ist ein Werkzeug, um die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens in der Zukunft vorherzusehen. Es ist für jedes Unternehmen überlebenswichtig zu sehen, ob es in drei, sechs oder zwölf Monaten genug Geld haben wird, um seine Mitarbeiter zu bezahlen oder den Wareneinkauf zu erledigen. Die Liquiditätsplanung erfolgt immer für eine bestimmte festgelegte Periode. Das kann ein Monat, drei Monate oder ein ganzen Jahr sein. 

Um die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens zu planen muss man natürlich wissen, wie viel Geld das Unternehmen hat und wie viel Geldmittel dem  Unternehmen zufließen und wieder abfließen. Dieses „Fließen“ des Geldes in einer bestimmten Periode wird als Cashflow beschrieben.

Der Cashflow bildet also ab, wie viel Geld in einer bestimmten Periode in Form von Einzahlungen eingehen, und wie viel Geld in Form von Auszahlungen aus dem Unternehmen abfließen.

file.jpg.png

Schema einer Liquiditätskurve

Die Liquidität kann als Kurven-Diagramm dargestellt werden. Die Kurve beginnt mit dem Anfangsbestand an Geldmitteln und zeichnet dann alle Zahlungsflüsse des Unternehmens  nach. Im ersten Schritt werden dafür alle Einzahlungen und Auszahlungen des definierten Zeitraums erfasst und abgebildet. So entsteht ein genaues Bild, wie sich der Cashflow (also die Verfügbarkeit an liquiden Mitteln) über die betreffende Periode entwickelt hat. Dieser Cashflow wird dann als Liquiditätskurve sichtbar und macht transparent, wie sich die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens entwickelt hat und wann es zu Schwankungen im Cashflow kam.

Die Liquiditätsplanung schreibt dieses Kurven-Diagramm auf Basis der aktuellen Informationen in die Zukunft fort. Dem gegenwärtigen Geldmittelbestand werden alle alle Ein- und Auszahlungen einer bestimmten Periode vorher geschätzt und wieder als Liquiditätskurve abgebildet.

Wie wir später sehen ist die Erstellung einer solchen Liquiditätsplanung sehr schwierig. Denn Ein- und Auszahlungen für die Zukunft zu planen, ist aufwendig, zeitintensiv und fehlerbehaftet. 

Bedeutung der Liquiditätsplanung für ein Unternehmen 

Die Liquiditätsplanung ist als Controlling-Instrument im Rahmen der professionellen Finanzplanung für jedes Unternehmen unverzichtbar. Denn nur wenn ein Unternehmen zahlungsfähig (liquide) ist, kann es Auszahlungen für Personal- und Sachkosten, den Wareneinkauf sowie notwendige Investitionen leisten. Anders gesagt: Eine Firma die keine Liquiditätsplanung einsetzt, wird schnell zahlungsunfähig und geht damit insolvent.

Wussten Sie, dass fast 80% der Insolvenzen auf mangelnde Liquiditätsplanung zurückzuführen sind?

Aus einer langfristigen Betrachtung des Cashflows lassen sich außerdem viele lehrreiche Informationen gewinnen. Ziel der langfristigen Liquiditätsplanung ist es nämlich, nicht nur die Vergangenheit und Gegenwart des Cashflows abzubilden, sondern möglichst auch verlässliche Aussagen über die Zukunft der Liquidität zu treffen. So wird die Liquiditätsplanung zu einem effektiven Werkzeug für den Geschäftserfolg. Zeiten mit hoher oder niedriger Liquidität lassen sich mit einer guten Liquiditätsplanung vorhersehen. Und es gibt genügend geeignete Maßnahmen, wie man darauf reagieren kann. 

Welche Unternehmen brauchen Liquiditätsplanung?

Grundsätzlich braucht wirklich JEDES Unternehmen eine Liquiditätsplanung. Denn nur die Planung der Cashflows stellt sicher, dass die Zahlungsfähigkeit gewährleistet bleibt. Allerdings unterscheiden sich die Anforderungen an die Liquiditätsplanung je nach Größe und Art des Unternehmens.

Kleinere Unternehmen können ihre Liquiditätsplanung in der Regel einfacher erstellen, weil sie weniger Zu- und Abflüsse im Cashflow verzeichnen. Aber Achtung: Das bedeutet nicht, dass kleine Unternehmen auf Liquiditätsplanung verzichten können. 

Da für kleine Unternehmen oder Start-Ups schon der Ausfall eines einzigen Kunden existenzbedrohend sein kann, ist eine gute Liquiditätsplanung extrem wichtig!

Aber auch für größere Unternehmen ist die Liquiditätsplanung unerlässlich. Denn mit der steigenden Komplexität bei den Zu- und Abflüssen im Cashflow steigt die Unübersichtlichkeit und damit auch das Risiko.

Ein weiterer Faktor, der die Liquiditätsplanung beeinflusst, ist die Geschwindigkeit und Vorhersehbarkeit der Geschäftsentwicklung. Ein Online-Shop für Mode hat beispielsweise jeden Tag viele Hundert Bewegungen im Cashflow. Das Geschäft ist schnelllebig und wird auch von saisonalen Faktoren wie der Vorweihnachtszeit geprägt. Ein Händler von Spezial-Software hat hingegen viel weniger Bewegung im Cashflow. Da der Preis für die Software in der Regel aber höher ist    als beispielsweise für Mode – ist der Ausschlag in der Liquidität viel größer. In beiden Fällen lauern spezifische Risiken für die Liquiditätsentwicklung der Unternehmen, die man mit einer guten Liquiditätsplanung vorhersehen und vermeiden kann.

Liquiditätsplanung: Macht das nicht mein Steuerberater?

Die Antwort ist: Nein!
Die Liquiditätsplanung ist alleinige Aufgabe eines Unternehmens. Denn der Steuerberater ist nur für die korrekte Buchhaltung und den korrekten Jahresabschluss zuständig, nicht aber für die Liquiditätsplanung. Augenmerk liegt hier auch eher auf der Minimierung der Steuerlast und weniger auf der Steigerung des Gewinns oder die Entwicklung einer langfristigen Geschäftsstrategie.

Jedoch sollte der Steuerberater zur Prüfung steuerlicher Aspekte der Liquiditätsplanung herangezogen werden, um unvorhergesehene Überraschungen zu vermeiden. Ein klassisches Risiko ist hierbei die Umstellung von der Ist- zur Sollbesteuerung bei der Umsatzsteuer durch das Finanzamt. Diese Umstellung hat bereits viele Unternehmer in die Insolvenz getrieben. Solche Fehler vermeidet man, wenn man seine Liquiditätsplanung frühzeitig anpasst.

Enthält die Betriebswirtschaftliche Auswertung nicht schon genug Aussagen über die Liquidität?

Die Antwort ist: Definitiv nicht!
Auf Basis der Buchhaltung erstellt das Unternehmen oder der Steuerberater monatlich eine  Betriebswirtschaftlichen Auswertung (BWA). Während die BWA aber zeigt, ob ein Unternehmen profitabel ist, zeigt die Liquiditätsplanung, ob und wann einem Unternehmen genügend Liquidität zur Verfügung steht oder ob Handlungsbedarf besteht.
Profitabilität und Liquidität können erheblich voneinander abweichen.

Herausforderungen an die Liquiditätsplanung bei unterschiedlichen Unternehmensformen

Die Herausforderungen bei der Erstellung einer Liquiditätsplanung unterscheiden sich je nachdem, ob das Unternehmen seinen Geschäftserfolg nach dem Zufluss-/Abfluss-Prinzip ermittelt – mit einer so genannten Einnahmenüberschussrechnung – oder nach dem Periodisierungsprinzip.

Gewinnermittlung nach dem Zufluss-/Abfluss-Prinzip

Freiberufler, Kleingewerbetreibende bzw. Personengesellschaften (z. B. GbR, OHG, KG) ermitteln ihren Gewinn auf Basis des Zufluss- / Abfluss-Prinzips im Rahmen der Einnahmenüberschussrechnung (EÜR).

Grundlage für die EÜR bilden die Aufzeichnungen, in denen alle Einnahmen und Ausgaben eines Jahres erfasst und aufgegliedert werden. Die Betriebseinnahmen werden dabei in dem Wirtschaftsjahr angesetzt, in dem sie eingegangen sind. Betriebsausgaben werden ebenso dem Wirtschaftsjahr zugeordnet, in dem sie geleistet worden sind. Wichtig ist dabei nur das Zahlungsdatum, nicht das Rechnungsdatum. 

Beispiele zur Veranschaulichung

Beispiel 1:
Ein Unternehmer bestellt im Dezember 2017 Ware. Er bezahlt diese  jedoch erst im Februar 2018. Folge: Die Zahlung stellt eine Betriebsausgabe im Februar 2018 dar.

Beispiel 2:
Ein Unternehmer erbringt im Januar 2018 eine Leistung, die der Kunde jedoch schon im November 2017 bezahlt hat. Folge: Die Zahlung stellt eine Betriebseinnahme im November 2017 dar.

Ausnahme: Die 10-Tage-Regel
Eine Ausnahme für das Zufluss-Abfluss-Prinzip ist die 10-Tage-Regel. Diese wird um den Jahreswechsel relevant und gilt für regelmäßig wiederkehrenden Einnahmen und Ausgaben, wie z.B. Zinsen oder Miete. Für diese Einnahmen und Ausgaben wird in der EÜR das Jahr der wirtschaftlichen Zugehörigkeit und nicht das Jahr der Zahlung angesetzt, wenn die Zahlung innerhalb von 10 Tagen vor oder nach Jahreswechsel erhalten bzw. geleistet wurde (§ 11 EStG).

Beispiel für die 10 Tage-Regel
Ein Unternehmer zahlt die Büromiete für Januar 2018 schon am 30.12.2017. Gemäß dem Zufluss-Abfluss-Prinzip  würde die Betriebsausgabe eigentlich noch dem Jahr 2017 zugerechnet, da das Geld noch im Jahr 2017 geflossen ist.

Hier greift jedoch die 10-Tage-Regel, da zum einen der Zweck der Zahlung in 2018 liegt und zum anderen die Zahlung innerhalb von 10 Tagen zum Jahreswechsel erfolgte. Daher stellt die Zahlung eine Betriebsausgabe in 2018 dar. Bei einer Zahlung der Miete am 15. Dezember 2017 wäre es eine Betriebsausgabe in 2017, da es dann noch mehr als 10 Tage zum Jahreswechsel wären.

Unternehmer, die den Gewinn nach dem Zufluss-Abfluss-Prinzip ermitteln, sehen ihre tatsächliche, historische Liquidität in der GuV. Auf dieser Basis kann auch die zukünftige Liquiditätsplanung erfolgen. Lediglich die nach der 10-Tage-Regel erfolgte Periodisierung weicht hier von der eigentlichen Liquidität ab.  

Gewinnermittlung nach dem Periodisierungsprinzip

Alle Kapitalgesellschaften (z. B. GmbH, UG, AG) ermitteln ihren Gewinn auf Basis des Periodisierungsprinzips im Rahmen der Bilanzierung. Hier wird die Zugehörigkeit von Einnahmen und Ausgaben nur anhand des Rechnungsdatums ermittelt. Das eigentliche Datum, an dem das Geld zu- oder abgeflossen ist, spielt dabei keine Rolle.

Beispiele zur Veranschaulichung

Beispiel 1:
Ein Unternehmer bestellt im Dezember 2017 Ware. Er bezahlt diese jedoch erst im Februar 2018. Folge: Die Zahlung stellt eine Betriebsausgabe im Dezember 2017 dar.

Beispiel 2:
Ein Unternehmer stellt im November 2017 eine Rechnung für erbrachte Leistungen. Der Kunde zahlt diese Rechnung jedoch erst im Februar 2018.
Folge: Die Zahlung stellt eine Betriebseinnahme bereits im November 2017 dar – obwohl noch kein Geld geflossen ist.

Das Periodisierungsprinzip hat also zur Folge, dass die GuV bei der Bilanzierung nicht den tatsächlichen Cashflow abbildet. Das hat große Auswirkungen auf die Liquiditätsplanung. Denn ein Unternehmen, dass die Liquidität planen will, muss die historischen Daten der Liquidität für die entsprechenden Zu- und Abfluss-Kategorien erst ermitteln und kann dann darauf basierend eine Vorwärtsplanung in die Zukunft erstellen. Diese Aufgabe ist komplex und wird bereits ab einer überschaubaren Unternehmensgröße sehr zeitaufwendig.

Fazit

Liquiditätsplanung ist für jedes Unternehmen überlebenswichtig. Und je Größe, Geschäftsmodell und Unternehmensform unterscheiden sich die Anforderungen an die Liquiditätsplanung erheblich. Der Steuerberater kann dabei nur begrenzt behilflich sein. Denn eine fundierte Liquiditätsplanung ist Aufgabe des Unternehmers. 

Basis für die Liquiditätsplanung:
Methoden der Liquiditätsermittlung – direkte und indirekte Methode

Basis für jede Liquiditätsplanung ist zunächst die Liquiditätsermittlung. Sie zeigt, wie viel verfügbare Mittel, also Liquidität vorhanden sind. Für das Ermitteln der Liquidität gibt es zwei Methoden, die wir im Folgenden vorstellen möchten.

Die indirekte Methode der Liquiditätsermittlung

Als Basis für die Liquiditätsplanung wird häufig die indirekte Methode zur Liquiditätsermittlung angewendet. Hierbei wird die Liquidität auf Basis der Buchhaltung errechnet. Als Basis für diese Methode dient der Gewinn, der im Jahresüberschuss ausgewiesen ist. Von diesem Gewinn werden dann alle Erträge subtrahiert, die nicht zahlungswirksam sind, sowie alle Aufwendungen addiert, die nicht zahlungswirksam sind.

Beispiel:

file.jpg_2.png

In der Bilanz steht ein Gewinn von 150.000 Euro. Addiert werden nun alle Positionen, die zwar in der Bilanz als Aufwendungen stehen, für die aber kein Geld geflossen ist – die also nicht zahlungswirksam waren. Diese Aufwendungen haben zwar den Gewinn, nicht aber die Liquidität geschmälert und müssen deshalb wieder hinzugezählt werden.
Zu den nicht zahlungswirksamen Aufwendungen zählen: 

  • Abschreibungen
  • Einstellungen in die Rücklagen
  • Erhöhung der Sonderposten mit Rücklageanteil
  • Erhöhung der Rückstellungen
  • Bestandsminderung an fertigen und unfertigen Erzeugnissen
  • Periodenfremde und außerordentliche Aufwendungen
  • Erhöhung des Gewinnvortrages

In unserem Beispiel betragen die nicht zahlungswirksamen Aufwendungen 20.000 Euro.
Als zweiten Schritt subtrahiert man nun alle Positionen, die zwar als Ertrag in der Bilanz stehen, für die aber kein Geld geflossen ist. Diese Erträge sind nicht zahlungswirksam und dürfen daher bei der Bestimmung der Liquidität nicht berücksichtigt werden.
Zu den nicht zahlungswirksamen Erträgen zählen:

  • Entnahme aus Rücklagen
  • Minderung des Gewinnvortrages
  • Zuschreibungen
  • Auflösung von Wertberichtigungen
  • Minderung der Sonderposten mit Rücklageanteil
  • Auflösung von Rückstellungen
  • Bestandserhöhungen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen
  • Aktivierte Eigenleistungen
  • Periodenfremde und außerordentliche Erträge

In unserem Beispiel betragen die nicht zahlungswirksamen Erträge 60.000 Euro.

Ergebnis: Obwohl im Jahresabschluss ein Gewinn von 150.000 Euro ausgewiesen wird, beträgt die Liquidität nur 110.000 Euro!

Bewertung der indirekten Methode der Liquiditätsermittlung:

Die indirekte Methode wird recht häufig zur Liquiditätsermittlung verwendet. Denn die Daten die für diese rechnerische Liquiditätsermittlung liegen in der Buchhaltung bereits vor. Die indirekte Methode erfordert einiges an Finanzwissen, ermöglicht aber mit einigermaßen überschaubaren Aufwand eine gute rückblickende Aussage über die Liquidität zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Die direkte Methode der Liquiditätsermittlung

Für die direkte Methode der Liquiditätsermittlung werden alle zahlungswirksamen Erträge addiert und alle zahlungswirksamen Aufwendungen davon subtrahiert. Das bedeutet, dass hier von Anfang an nur die Aufwendungen und Erträge berücksichtigt werden, bei denen tatsächlich Geld geflossen ist.

Beispiel:

file.jpg_3.png

Zu den zahlungswirksamen Erträgen zählen:

  • Einzahlungen aus Umsätzen / Forderungen (Operativer Cash Flow)
  • Sonstige Einzahlungen (Operativer Cash Flow)
  • Desinvestitionen (Investment Cashflow)
  • Eigenkapitaleinlage (Finanz Cashflow)
  • Kreditaufnahme (Finanz Cashflow)

Zu den zahlungswirksamen Aufwendungen zählen:

  • Auszahlungen für Personal und Verbindlichkeiten (Operativer Cashflow)
  • Auszahlungen für Material und Waren und Verbindlichkeiten (Operativer Cashflow)
  • Sonstige Auszahlungen (Operativer Cashflow)
  • Investitionen  (Investment Cashflow)
  • Eigenkapitalentnahme (Finanz Cashflow)
  • Kredittilgung (Finanz Cashflow)

Bewertung der direkten Methode der Liquiditätsermittlung

Diese Methode ist recht aufwendig. Sie wird daher von Unternehmen nur selten eingesetzt. Das liegt auch daran, dass die laufende Buchhaltung Ein- und Auszahlungen meist nicht direkt verbucht. Allerdings ermöglicht die direkte Methode eine genauere Aufstellung der Zahlungsströme als die indirekte Methode – und das ist für die Liquiditätsplanung nicht unerheblich.

Direkte oder indirekte – welche Methode ist die bessere?

Die direkte Methode ist wie bereits erwähnt aufwendiger, aber genauer als die indirekte Methode. Denn mit der direkten Methode wird wirklich genau abgebildet, wie und unter Umständen auch wann Geld zu- und abfließt. Das bedeutet, dass die direkte Methode den Cashflow eines Unternehmens viel besser darstellt und eine bessere Basis für die Liquiditätsplanung bildet.

Liquiditätsplanung auf Basis der Liquiditätsermittlung

Während die Liquiditätsermittlung nur etwas über einen vergangenen Zeitpunkt oder Zeitraum (z. B. den Zeitpunkt des Jahresabschlusses) oder über den aktuellen Stand des Cashflow aussagt, möchte die Liquiditätsplanung die zukünftige Entwicklung der Zahlungsfähigkeit vorhersehen.

Für eine Liquiditätsplanung ist es also nötig, die aus der Liquiditätsermittlung gewonnen Zahlen in die Zukunft fortzuschreiben – und zwar sowohl für die zahlungswirksamen Aufwendungen als auch für zahlungswirksamen Erträge.

Fortschreibung von zahlungswirksamen Aufwendungen für die Liquiditätsplanung

Die Liquiditätsplanung für zahlungswirksame Aufwendungen erfolgt anhand der Parameter Höhe und Regelmäßigkeit.

Regelmäßige und unregelmäßige zahlungswirksame Aufwendungen

Löhne, Gehälter, Sozialabgaben werden in der Regel monatlich fällig. Diese Auszahlungen können also als monatlich zahlungswirksame Zahlungen in die Liquiditätsplanung einfließen. Versicherungsprämien, Steuern, Gebühren haben oft einen anderen Rhythmus – zum Beispiel vierteljährlich oder jährlich. Auch diese Auszahlungen können dann mit dieser Regelmäßigkeit berücksichtigt werden.

Neben den regelmäßigen zahlungswirksamen Aufwendungen gibt es auch unregelmäßige Aufwendungen. Diese sind leider schwerer zu planen und machen die Liquiditätsplanung dadurch komplizierter. Zu diesen unregelmäßig zahlungswirksamen Aufwendungen gehören Investitionen, aber Zahlungen an Lieferanten und weitere Auftragnehmer. Die unregelmäßigen Aufwendungen können auch in der Höhe stark variieren und machen die Liquiditätsplanung dadurch noch komplexer.

Fortschreibung von zahlungswirksamen Einzahlungen für die Liquiditätsplanung

In ihre Liquiditätsplanung fließen neben den zahlungswirksamen Aufwendungen auch die zahlungswirksamen Einzahlungen ein. Auch hier gibt es regelmäßig wiederkehrende Einzahlungen und unregelmäßige Einzahlungen.
Allerdings sind bei den allermeisten Unternehmen die zahlungswirksamen Einzahlungen wesentlich schlechter zu prognostizieren als die Auszahlungen. Das macht Liquiditätsplanung für die allermeisten Unternehmen so schwierig.

Regelmäßigkeit und Unregelmäßigkeit von zahlungswirksamen Einzahlungen
Zwei Beispiele:

Ein IT-Dienstleister, der zum großen Teil auf Basis von Pflegeverträgen arbeitet, verfügt über regelmäßige Einnahmen, z. B. weil jeden Monat eine Pflegepauschale fällig wird. Dieses Unternehmen kann seine Liquiditätsplanung relativ leicht erstellen, weil den zahlungswirksamen Aufwendungen (Löhne, Miete etc.) regelmäßige zahlungswirksame Einzahlungen gegenüber stehen.

Eine Werbeagentur, die zahlungswirksame Erträge nur mit großen Einzelaufträgen und Projekten erzielt, kann Einzahlungen für den Cashflow sehr viel schlechter vorhersagen. Nehmen wir nun an, dass diese Werbeagentur projektbezogen auch viele Freiberufler beschäftigt, dann sieht auch die Seite der zahlungswirksamen Aufwendungen sehr unübersichtlich aus. Für dieses Unternehmen ist eine fundierte Liquiditätsplanung eine echte Herkulesaufgabe!

Wie geht die Liquiditätsplanung mit unregelmäßigen zahlungswirksamen Erträgen und Aufwendungen um?

Um die Unregelmäßigkeiten im Cashflow in der Liquiditätsplanung zu berücksichtigen, ist es vor allem wichtig, aus der vergangenen Entwicklung des Cashflows die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen und Hypothesen für die Zukunft zu bilden, z. B. 

  • Wie hoch waren zahlungswirksame Erträge und Aufwendungen in der Vergangenheit durchschnittlich? 
  • Kann der Durchschnitt der letzten Jahre als Grundlage dienen, um Erträge und Aufwendungen in meiner Liquiditätsplanung in die Zukunft zu projizieren?
  • Kann ich aus den Zahlen der Vergangenheit Szenarien für die Zukunft ableiten (z. B. Worst oder Best Case Szenarien)
  • Was würde z. B. passieren, wenn meine zahlungswirksamen Erträge oder Aufwendungen um x% steigen oder fallen? 
  • etc. …

Diese Hypothesen über die Entwicklung von Ein- und Auszahlungen bilden die Basis für die Liquiditätsplanung – also die Fortschreibung meines Cashflows in die Zukunft. Allerdings ist dies alles andere als einfach. Denn für die Liquiditätsplanung eines Unternehmens gibt es immer eine sehr große Zahl an Hypothesen und denkbaren Szenarien.

Fazit:  

Es gibt unterschiedliche Methoden der Liquiditätsermittlung. Beide haben gewisse Vor- und Nachteile, wobei die direkte Methode genauer ist und damit besser für die Liquiditätsplanung geeignet ist.
Die eigentliche Liquiditätsplanung erfordert dann noch viel mehr Aufwand und Sachverstand. Denn bei der Liquiditätsplanung werden zahlungswirksame Aufwendungen und Erträge in die Zukunft fortgeschrieben. Dabei ist es wichtig, Höhe und Regelmäßigkeit dieser Positionen zu kennen. Und je nach Geschäftsmodell eines Unternehmens ist die Projektion mit großen Unsicherheiten versehen. 

Liquiditätsplanung erfordert also nicht nur Finanzwissen, sondern auch fundierte Kenntnisse über die Entwicklungen eines Unternehmens in der Vergangenheit und über die Zukunftsperspektiven. 

Leave a Reply