Liquiditätsmanagement: Profi-Tipps

By Juni 28, 2018Liquiditätsmanagement

Mit den richtigen Werkzeugen des Liquiditätsmanagements halten Sie den Cashflow oben

Ihre Liquiditätsplanung ist überlebenswichtig. Denn wenn Sie eine fundierte Aussage über die Entwicklung Ihres Cashflows treffen können, wissen Sie, ob Ihre Firma auch in Zukunft zahlungsfähig sein wird.

Wie sieht eine gute Liquiditätsplanung aus?

Am besten ist, sie betreiben die so genannte rollierende Liquiditätsplanung. Das bedeutet, dass sie die Entwicklung Ihres Cashflows fortlaufend in die Zukunft fortschreiben. Faustregel: Der Zeitraum für die rollierende Vorausplanung sollte ein Jahr betragen.

Wie oft sollten Sie die rollierende Liquiditätsplanung anpassen?

Es ist zu empfehlen, die rollierende Liquiditätsplanung regelmäßig anzupassen, sobald sie verlässliche Aussagen über die Entwicklung der Ein- und Auszahlungsseite Ihres Cashflows treffen können. Der Zyklus der Aktualisierung sollte dabei von der Umlaufgeschwindigkeit der Geld- und Warenströme im Unternehmen abhängig gemacht werden. Während z. B. beim Liquiditätsmanagement von Immobilien eine monatliche Aktualisierung der Liquiditätsplanung ausreichend ist, da Mieteinnahmen stabil monatlich zufließen, ist bei schnelllebigen Geschäften wie E-Commerce oder Digitalen Plattformen eine wöchentliche Aktualisierung der Liquiditätsplanung empfehlenswert.

Was unterscheidet die Liquiditätsplanung vom Liquiditätsmanagement?

Die Liquiditätsplanung schreibt Ihren Cashflow in die Zukunft fort. Dabei sollten Sie als Unternehmer immer die Zahlen auf der Ein- und Auszahlungsseite an die zu erwartende Geschäftsentwicklung anpassen.

Beispiel:


Ein Unternehmen, das aufgrund von Wachstum neue Mitarbeiter einstellt, wird in der Liquiditätsplanung steigende Auszahlungen für Personal einplanen. Der Liquiditätsplan zeigt dann, ob die Firma auch bei steigenden Ausgaben im Planungszeitraum noch zahlungsfähig sein wird.

Oder: Ein Unternehmen weiß aus Erfahrung, dass in den drei Monaten vor Weihnachten aufgrund des Saisongeschäfts mit höheren Einzahlungen durch den Verkauf von Waren zu rechnen ist. In der Liquiditätsplanung werden deshalb auf der Einzahlungsseite für diese drei Monate die vorausgesagten Werte auf der Einzahlungsseite erhöht. So kann das Unternehmen schätzen, wie sich der Cashflow durch die erhöhten Einzahlungen entwickelt.

Was aber tun, wenn die Liquiditätsplanung für die Zukunft Probleme für den Cashflow vorhersagt?

Genau dann kommt das so genannte Liquiditätsmanagement ins Spiel! 
Während die Liquiditätsplanung Aussagen über die zukünftige Entwicklung eines Cashflows macht, beeinflusst das Liquiditätsmanagement durch gezielte Maßnahmen die Entwicklung des Cashflows im Sinne des Unternehmens.



Beispiel für Liquiditätsmanagement:
 Ein Unternehmen stellt fest, dass die Zahlungsfähigkeit aufgrund von fehlenden Einzahlungen in drei Monaten gefährdet sein wird. Gleichzeitig weiß das Unternehmen aber, dass in etwa vier Monaten größere Einzahlungen durch die Abrechnung von Leistungen anstehen. Im Rahmen des Liquiditätsmanagements versucht das Unternehmen nun, die Forderungen zu einem früheren Zeitpunkt zu realisieren – z. B. in dem man mit dem Kunden vereinbart, dass bereits in zwei Monaten Teilrechnungen beglichen werden. Durch den früheren Zufluss im Cashflow kann die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens im kritischen Zeitraum gewährleistet werden. Für ein optimiertes Liquiditätsmanagement lohnt es sich ggf. auch, einen zusätzlich Nachlass zu gewähren und damit kurzfristig etwas weniger profitabel zu sein.Fazit:

Ziel des Liquiditätsmanagement ist es, den Cashflow eines Unternehmens so zu optimieren, dass die Zahlungsfähigkeit im Zeitraum der Liquiditätsplanung (und bestenfalls natürlich darüber hinaus) erhalten werden kann.
Liquiditätsmanagement: Diese Möglichkeiten haben Sie, um den Cashflow Ihres Unternehmens zu verbessern

Die Möglichkeiten, das Liquiditätsmanagement eines Unternehmens zu verbessern, sind vielfältig. So kommt es im Endeffekt sehr individuell auf die Art des Geschäftsmodells an, welche Werkzeuge des Liquiditätsmanagements konkret eingesetzt werden. Im Folgenden zeigen wir aber die wichtigsten Instrumente auf, um ein professionelles Liquiditätsmanagement zu etablieren.

Tipps für Ihr Liquiditätsmanagement auf der Einzahlungsseite

Betreiben Sie professionelles Forderungsmanagement.



Viele Unternehmen akzeptieren, dass Kunden Ihre Rechnungen „irgendwann“ bezahlen. Diesen Fehler sollten Sie in ihrem Liquiditätsmanagement unbedingt vermeiden. Denn das Forderungsmanagement ist das Werkzeug Nummer 1, um auf der Einzahlungsseite Ihren Cashflow zu optimieren. Etablieren Sie deshalb ein professionelles Forderungsmanagement.


  • Setzen Sie möglichst kurze Zahlungsziele und minimieren Sie dadurch den so genannten Kundenkredit.

  • Verhandeln Sie in Verträgen genau, wann Rechnungen bezahlt werden. Oft kann man mit Kunden Teilrechnungen oder Abschlagszahlungen vereinbaren.

  • Denken Sie im Rahmen einer Günstigerprüfung darüber nach, ob es sinnvoll sein kann, Ihren Kunden einen Nachlass in Form von Skonti zu gewähren, wenn Rechnungen besonders früh bezahlt werden.

  • Auch ein automatisiertes und striktes Mahnwesen hilft, Zahlungsverzug auf Kundenseite zu vermeiden und ihr Liquiditätsmanagement zu professionalisieren

Sichern Sie sich eine günstige Kreditlinie.

Sichern Sie sich frühzeitige Flexibilität durch eine adäquate Kreditlinie bei Ihrer Bank. Damit haben Sie in Ihrem Liquiditätsmanagement immer einen kurzfristig verfügbaren finanziellen Puffer, ohne eigenes Kapital zu binden.

Sichern Sie Forderungsausfälle ab
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Der Albtraum eines jeden Unternehmers: Ein Kunde wird zahlungsunfähig und kann eine geforderte Rechnung nicht begleichen. Vor allem bei großen Aufträgen kann dieses Szenario das Aus für ein Unternehmen bedeuten. Doch auch gibt es für Ihr Liquiditätsmangement eine gute Nachricht: Man kann sich durch so genannte Forderungsausfallversicherungen (oder auch Warenkreditversicherungen) gegen dieses Risiko schützen. Diese Versicherungen bezahlen, wenn Ihr Kunde zahlungsunfähig wird. Manche Versicherungen springen auch ein, wenn ein Kunde zu spät bezahlt oder wenn Ihr Kunden Zahlungsunfähigkeit angemeldet, sie aber bereits mit der Produktion oder Leistungserbringung begonnen haben. Die genauen Konditionen hängen immer vom jeweiligen Vertrag ab. Sprechen Sie darüber am besten mit Ihrer Bank.

Nutzen Sie Factoring, um Forderungen rechtzeitig zu realisieren.

Eine Rechnung wird nicht bezahlt und durch den drohenden Einnahmeverlust steht Ihre Existenz auf dem Spiel? Das muss nicht sein. Um Ihr Liquiditätsmanagement zu professionalisieren können Sie Anbieter kontaktieren, die Ihnen die Forderung sofort abkaufen – natürlich zu einem geringeren Preis als die Höhe der Forderung. Doch Ihr Vorteil überwiegt trotzdem. Denn statt Ihre Forderung mit viel (Zeit-)Aufwand einzutreiben können Sie sofort eine etwas geringere Einzahlung verbuchen.


Nutzen Sie innovative Kreditformen wie Peer-to-Peer-Kredite.

Wenn ein Unternehmen Liquidität benötigt, denken die meisten Unternehmen an einen Kredit bei der Bank. Doch es gibt auch andere Formen, ihr Liquiditätsmanagement zu verbessern. Eine Möglichkeit sind so Kredite, die sich Unternehmen untereinander gewähren. Sie heißen Peer-to-Peer-Kredite und werden direkt von Unternehmen an Unternehmen vergeben, ohne dass ein Finanzinstitut, als Vermittler auftritt. Peer-to-Peer-Kredite vor allem durch das Internet vermittelt und es gibt unterschiedliche Anbieter und Plattformen, auf denen Sie sich über die Konditionen erkundigen können.

Fremdwährungsrisiken auf Seiten der Forderungen optimieren

Wenn Sie als Unternehmen Waren oder Dienstleistungen in ausländischer Währung verkaufen, können schwankende Wechselkurse Ihre Einzahlungsseite plötzlich beeinflussen und damit zum Risikio für Ihr Liquiditätsmanagement werden. Gegen dieses so genannte Wechselkursrisiko können Sie sich absichern. Konkret heißt das: Sie fixieren für eine bestimmte Summe und einen bestimmten Zeitraum den Wechselkurs und minimieren so Ihr Fremdwährungsrisiko. Anbieter sind Banken und Fintechs.


Tipps für Ihr Liquiditätsmanagement auf der Auszahlungsseite

Optimieren Sie den Zahlungszeitpunkt Ihrer Verbindlichkeiten.


Sie bezahlen Ihre Rechnungen z. B. an Lieferanten immer sofort? Viele Unternehmen tun das, ohne dabei auf das optimale Liquiditätsmanagement zu achten. Zahlen Sie Rechnungen immer zum spätest möglichen Zeitpunkt und nutzen Sie den so genannten Lieferantenkredit. 
Ausnahme: Ihr Lieferant gewährt Ihnen bei früher Zahlung ein Skonto. Dann prüfen Sie im Einzelfall im Rahmen der Günstigerprüfung was Sie in Anspruch nehmen wollen: Lieferantenkredit oder Preisnachlass
Vermeiden Sie totes Kapital – zum Beispiel durch einen hohen Warenbestand im Lager
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Ein gutes Liquiditätsmanagement achtet auf eine möglichst schlanke Lagerhaltung, denn im Lager gebundenes Kapital ist totes Kapital. Stellen Sie Ihr Lager, wenn möglich, auf Just-In-Time-Lieferung um, oder verzichten Sie ganz auf ein eigenes Lager. Prüfen Sie, ob sich evtl. aus Gesamtsicht ein etwas höherer Einkaufspreis eines Lieferanten, der direkt an Ihren Kunden ausgeliefert, nicht vielleicht die bessere Lösung ist (Drop-Shopping).

Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrem Steuerberater über steuerliche Aspekte.

Die Frage, wann Zahlungen ans Finanzamt fällig werden, beeinflussen die Auszahlungsseite Ihres Cashflows und damit Ihr Liquiditätsmanagement erheblich. Nehmen Sie wenn möglich die umsatzsteuerliche Regelung der Ist-Versteuerung in Anspruch, um Zahlungen möglichst spät leisten zu müssen. Sprechen Sie darüber aber unbedingt mit Ihrem Steuerberater. Denn für viele Unternehmen ist die Ist-Versteuerung nicht möglich. Sie werden vom Finanzamt auf die so genannte Soll-Versteuerung veranlagt oder umgestellt. Da hier Zahlungen wesentlich früher zu leisten sind, bedeutet dies meist eine böse Überraschungen für die Liquidität. Stimmen Sie daher Ihr Liquiditätsmanagement immer mit Ihrem Steuerberater ab und fragen Sie Ihn nach zu berücksichtigenden steuerlichen Aspekten.

Fremdwährungsrisiken auf Seiten der Verbindlichkeiten optimieren.

Stellen Sie sich vor: Sie kaufen als Unternehmen Waren in US-Dollar ein. Doch während beim Zeitpunkt der Bestellung ein US-Dollar nur 0,85 Euro kostet, steigt der Dollarkurs zum Zeitpunkt der Zahlung auf 0,95 Euro. 

Ergebnis: Eine Bestellung im angenommen Wert von 100.000 Euro wird auf einmal über 11.000 Euro teurer! Für Ihr Liquiditätsmanagement kann das äußerst negative Folgen haben. Unternehmen, die Waren in Fremdwährungen einkaufen, sollten sich deshalb frühzeitig mit Ihrer Bank in Verbindung setzen. Denn diese so genannten Fremdwährungsrisiken lassen sich mit professionellen Finanzwerkzeugen absichern.

Ein letzter Tipp für Ihr Liquiditätsmanagement: Reinvestieren Sie frei verfügbare Mittel!

Professionelles Liquiditätsmanagement handelt nicht nur, wenn der Cashflow zu gering ist. Es ist ebenso wichtig, frei verfügbare Mittel gut einzusetzen. Optimieren Sie Ihre Liquidität nicht nur wenn es eng wird, sondern setzen Sie liquide Mittel frei, wenn möglich.  Nutzen Sie diese freigesetzte Liquidität für gewinnbringende Investitionen und steigern Sie aufgrund höher Kapitaleffizienz Ihren Umsatz und Profitabilität langfristig! Damit betreiben Sie nicht nur ein gutes Liquiditätsmanagement, sondern auch ein integriertes Finanzmanagement.

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